Fernverkehrs-Anschlüsse durch Bahnhalt in Leissigen nicht gefährdet, IG kritisiert Falschaussagen der Politik und fordert weiterhin Zuganbindung von Leissigen

Die IG Leissigen Futura ist irritiert über Aussagen von Regierungsrat Christoph Neuhaus zur Verlagerung des Regionalverkehrs zwischen Spiez und Interlaken von der Schiene auf die Strasse ab dem Winterfahrplan 2020. Gemäss Fahrplanspezialisten gefährdet ein Halt in Leissigen die Anschlüsse in Interlaken nicht. Es ist nicht das erste Mal, dass die Politik im Zusammenhang mit der Regionalzugsverbindung zwischen Spiez und Interlaken falsche Aussagen verbreitet. Denn die Fakten sprechen eindeutig für den Erhalt der Bahn. 

Am 21. Juli veröffentlichte der Regionalfernsehsender TeleBärn in einem Beitrag zur Verkehrssituation entlang der A8 ein Interview mit RR Christoph Neuhaus. Es sei nicht der Kanton, der die Verlagerung von der Schiene auf die Strasse wolle. Sondern vielmehr müssten die Anschlüsse sichergestellt werden, wenn man auf der Schiene fahre. «Mit Leissigen hat das zur Konsequenz, dass man in Interlaken den Anschluss knapp verpasst», so der Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus in dem Interview. Er verweist auf den Taktfahrplan, der eingehalten werden soll.

Die IG Leissigen Futura hat aufgrund der Aussagen von RR Neuhaus die Situation nochmals genauer analysiert und kommt zum Schluss, dass diese nicht korrekt sind. Zu keinem Zeitpunkt war es ein Thema, dass die Anschlüsse gefährdet sein sollten. Sie sind es gegenwärtig nicht und auch nach der Fertigstellung der Entflechtung Wylerfeld/Bern in 2022, die eine Verschiebung im Fahrplan für den IC zur Folge hat, werden sie es auch nicht sein. Fakt ist, dass dadurch der Regionalzug in Leissigen, weil sich dort die Züge kreuzen, sogar noch länger halten muss. Es spricht daher nichts gegen das Ein- und Aussteigen von Fahrgästen in Leissigen.

Für die IG Leissigen Futura ist es nicht das erste Mal, dass die Politik ihre Entscheidung für die Verlegung des Regionalverkehrs von der Schiene auf die Strasse mit falschen Fakten belegt. Bereits vor der Abstimmung des Grossen Rates über das Geschäft hat der damalige Präsident der Regionalkonferenz Oberland-Ost, Peter Flück, die Faktenlage verzerrt dargestellt. Hier wurden insbesondere mit Blick auf die Verkehrssicherheit und die Kosten die Tatsachen zu wenig berücksichtigt. Schon heute zeigt sich beispielsweise, dass der Bau der drei Bushaltestellen in Leissigen mit 1.28 Mio. Franken deutlich mehr kostet, als eine Haltekante (900'000 Franken). Ebenso bleibt die Verkehrssituation auf der A8 prekär und es ist mit einer Zunahme des Verkehrsaufkommens zu rechnen, was die Situation nochmals verschärft.

Für die IG Leissigen Futura und die Gemeinde Leissigen ist es weiterhin unverständlich, dass die Regionalzugsverbindung abgeschafft werden soll, obwohl die Fakten für den Erhalt sprechen. Eine Mindestforderung ist hier der hybride Verkehr mit Bus und Bahn in den Hauptpendlerzeiten. Denn nach wie vor stellt die Bahn eine zuverlässige, sichere und ökologische Lösung für den Regionalverkehr dar – und dies seit 100 Jahren.